Neue Technologien – Erfolgsstory oder Horrorszenario?

„Mensch, wann hat das eigentlich angefangen, dass es mit unserer Gesellschaft so bergab geht? Ich glaube ja, das liegt daran, dass ständig neue Technologien auf den Markt geworfen werden. Selbst die Kids im Kindergartenalter haben schon Smartphones.“

Diesem Monolog durfte ich neulich in der Wuppertaler Schwebebahn lauschen. Ein Monolog war es natürlich nur deshalb, weil der entsprechende Herr in sein Handy sprach: ein nagelneues iPhone – das vielleicht nur so nebenbei. Doch er brachte mich dazu, innezuhalten und einzuhaken: Bergab? Ist das wirklich so?

Neue Chancen

Ich sehe da keine Bergabbewegung. Es geht doch bergauf – und das für Sie wie für mich. Denn was dieser Herr dort als böse Technologie hinstellte, bietet uns allen neue Chancen, uns weiterzuentwickeln.

Als ich mich 1985 in meinem damaligen Beruf als Industrie- und Werbefotograf auf einem ehemaligen Bauernhof in Wuppertal selbstständig machte und meine Laufbahn als Unternehmer begann, waren wir noch mitten im analogen Zeitalter. Es sollte bis zum heutigen Tag der einzige Beruf sein, den ich wirklich von der Pike auf gelernt habe. Alle weiteren Berufe oder vielmehr Berufungen entstanden durch Learning by doing. Hierbei haben mir neue Technologien immer sehr geholfen. 

Mein bordeauxrotes Bürotelefon hatte damals zwar schon eine Tastatur statt einer Wählscheibe, aber meine Rechnungen schrieb ich noch mit der Schreibmaschine. Mein Anrufbeantworter hatte zwei Audiokassetten und stammte aus den USA. Es gab keine bezahlbaren und zugelassenen Anrufbeantworter in Deutschland. Als wenige Jahre später das erste Faxgerät, auf den Markt kam, war ich sofort dabei. Ich investierte mehr als 3.500 DM und war sehr stolz, als das erste Faxbuch Deutschlands mit meinem Eintrag erschien. Ja, es war ein Quantensprung! 

Die vielen Werbeagenturen in Düsseldorf und anderswo konnten mir fortan ihre Vorlagen und Drehbücher in wenigen Minuten faxen, anstatt sie mit der Post oder dem Boten zu schicken. Heute finde ich es total lästig, wenn jemand mir etwas faxen will. Welch ein altertümliches Medium.

Höher, schneller, weiter – teurer?

Doch derart in die Vergangenheit müssen Sie und ich gar nicht zwangsläufig gehen. Als ich 2010 beispielsweise die Führungskräfte in einem meiner Unternehmen, der VillaMedia-Eventlocation, mit Tablets ausstattete, wurde ganz schnell klar: Neue Technologien wie diese würden ihnen in kürzester Zeit viele Arbeitsprozesse erleichtern. Denn die Papierschlachten mit Ablauf- und Reviewbögen, die sie bis dato im Anschluss an die unterschiedlichsten Feierlichkeiten austragen mussten, konnten sie nun in Exceldateien auf die iPads übertragen. Sie können sich ausmalen, wie begeistert das Team war: Die Daten waren schnell und für alle, die darauf zugreifen sollten, zugänglich. 

Nun höre ich den Herren in der Bahn schon sagen: „Aber Herr Heynkes, ich kann doch nicht ständig einen Haufen Geld in neue Technologien stecken!“ Das muss er ja auch gar nicht. Denn das Praktische an der schnellen Entwicklung, die neue Technologien heute durchlaufen, ist doch gerade: Die gestiegenen Rechnergeschwindigkeiten und Speicherkapazitäten sind seither nicht nur gewaltig gewachsen, sondern die Preise hierfür sind eben auch dramatisch gefallen.

Eine Investition, die sich lohnt

Und haben neue Technologien für Jedermann erschwinglich und zugänglich gemacht. Eigentlich ist die Digitalisierung und die Entwicklung neuer Technologien also eine echte Erfolgsstory. Eine Story von Innovationen, die das Leben vieler Menschen unendlich erleichtert hat.

Daher dürfen wir uns von neuen Technologien nicht länger abschrecken lassen, sondern müssen sie als das nutzen, was sie sind: Chancen.

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1 Kommentar. Leave new

  • Dirk Picard
    14. Januar 2019 16:48

    Ich sehe die neuen Technologien auch als großes Plus für Kunden. Wenn ein Kunde in der analogen Zeit etwas anmahnte, konnte man ihn mit „ist seit heute in der Post“ vertrösten und hatte im Zweifel noch ein paar Tage herausgeschunden.
    Heute undenkbar. Wer heute am Markt bestehen will muss seine Abläufe so strukturieren, dass er den Kunden entsprechend bedienen kann. Servicewüste Deutschland hat dann keine Chance mehr.
    Dirk Picard

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