Was wäre eigentlich, wenn alle Autos morgen elektrisch fahren würden?

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Was wäre eigentlich, wenn alle Autos morgen elektrisch fahren würden?

Jörg Heynkes am Elektroauto

Die Mobilität betreffend, befinden wir uns aktuell in einer Übergangsphase.

Durch die Entwicklung der merklich effizienteren und auch sauberen Elektromobilität werden wir bereits in wenigen Jahren deutliche Fortschritte machen. Aber was würde passieren, wenn morgen hier in Deutschland alle Autos elektrisch unterwegs wären?

Geht das überhaupt? Haben wir überhaupt genug elektrische Energie, also Strom, für dieses Szenario?

Wenn man sich die Zahlen und Fakten näher anschaut, lautet die einzige und überraschend eindeutige Antwort auf beide Fragen:  „Ja!“

Der deutsche Stromverbrauch im Jahr 2016 lag bei circa. 650 Terrawattstunden. Das sind umgerechnet 650 Milliarden kWh Strom.

Im gleichen Jahr gab es circa 44 Millionen PKWs auf den Straßen Deutschlands.

Die durchschnittliche Fahrstrecke eines PKWs in Deutschland liegt bei circa 14.000 km pro Jahr.

Ein Elektroauto benötigt im Jahresdurchschnitt circa 17 kWh pro 100 km.

Das bedeutet circa 2380 kWh Strom pro Fahrzeug pro Jahr.

Multipliziert mit den ca. 44.000.000 PKWs macht das in etwa 100 TWh zusätzlichen Bedarf.

Also sprechen wir von etwas mehr als 15% zusätzlichem Strombedarf, wenn tatsächlich morgen alle PKWs elektrisch unterwegs wären.

Es steht rund die Hälfte davon bereits zur Verfügung: rund 47 TWh wurden 2016 in Deutschland produziert, aber nicht verbraucht, und ins Ausland verkauft. Um den Rest (rund 50 TWh) schwankte der Stromverbrauch in den vergangenen 20 Jahren ohnehin. Etwa durch Wirtschaftsbooms und Rezessionen. Allein in Folge der Finanzkrise 2009 bracht der Stromverbrauch in Deutschland um gut 45 TWh gegenüber 2008 ein. Und auf über 30 Jahre soll das ein unlösbares Problem sein?

Da bei der Herstellung von Treibstoff allerdings auch enorme Mengen an Strom verbraucht werden (1,5 kwh je Liter Benzin), ist es aber in Wirklichkeit noch viel weniger. Denn es werden jährlich ca. 75 TWh Strom für die Herstellung des Treibstoffs verbraucht. Also sind es unterm Strich gerade mal ca. 25 TWh zusätzlicher Strombedarf.

Wir sprechen also schlussendlich von ca. 4 % zusätzlichem Strombedarf, der in Deutschland entstehen würde, wenn tatsächlich alle PKWs morgen elektrisch fahren würden… Eine Menge, die sich sehr schnell zusätzlich durch Solar- und Windkraftanlagen erstellen ließe; sogar noch schneller, wenn die Bundesregierung ihre aktuelle Sabotagehaltung gegenüber der Energiewende aufgeben würde.

Analog dazu würden circa 50 Millionen Tonnen an Diesel und Benzinkraftstoff samt deren Emissionen, sprich Schadstoffen, eingespart werden. Natürlich auch die daraus resultierenden Folgekosten für das Gesundheitswesen und administrative Maßnahmen zu deren Eindämmung.

Sicherlich noch ein sehr spannender Aspekt dabei:

Einer grosser Teil der Wertschöpfung bei den Benzin- und Dieselverbräuchenverbräuchen, findet im außereuropäischen Ausland statt. Für die 44 Millionen PKW`S sprechen wir über ca. 25 Milliarden Euros die unsere Volkswirtschaft jährlich an die unterschiedlichsten Diktatoren dieser Welt überweist! Bei einer Elektromobilitätsflotte und der entsprechenden Energieproduktion mit regenerativen Energien im eigenen Land, würde diese gesamte Wertschöpfung nach Deutschlandund vornehmlich in den Mittelstand verlagert.

Das würde hunderttausende zusätzliche Arbeitsplätze bedeuten….

Hallo? Politik? Aufwachen!!

11 Comments

  1. Nino sagt:

    Sehr guter Überblick. Fairerweise müsste noch der durchschnittliche Ladeverlust eingerechnet werden. Natürlich würde das nichts an der grundsätzlichen Sinnhaftigkeit ändern!

  2. Michel Kangro sagt:

    Im Artikel heißt es, „großer Teil der Wertschöpfung [findet] bei den Benzinverbräuchen im außereuropäischen Ausland“ statt. Gilt das denn dann nicht auch für die entsprechenden Stromverbräuche? Kann man die Einsparungen dann wirklich dem deutschen oder europäischen Binnenmarkt anrechnen?

  3. Energie haben wir vielleicht genug (man kann auch stationär Diesel und ä. verstromen, wenn es eng werden sollte) aber die Frage ist: haben wir genug Kupfer?. Zum Glück dauert die Umstellung ja einige Jahre. Faszinierend finde ich die technischen Möglichkeiten, _wirklich_ sparsame Leicht-Fahrzeuge zu bauen, und die Radnabentechnik mit ihren tollen Optionen.

  4. michael klee sagt:

    Tankstellen müßten nicht in der Bedeutungslosigkeit verschwinden,
    wenn die Indrustrien sich auf standartisierte Wechselakkus verständigen und Lösungen finden könnte, wie man diese in einm
    Clip-off Verfahren, in kürzester Zeit, aus einem Fahrzeug abtrennen
    und gegen Geladene austauschen,
    könnte.
    Je nach Leistung des Fahrzeuges,
    in der Anzahl.variabel, denn auch der
    Güterverkehr sollte mitbedacht werden.
    Tankstellen, aber auch andere Einrichtungen, können in diesen Kreislauf eingebunden werden,
    so daß Kommunem sich kaum.Gedanken darüber machen müßten, die nächste,
    mit allen öffentlichen Ehren eingeweihte,
    Stromzapfäule hinter dem Walldorf- Kindergarten einweihen zu müssen

    Dieser Gedanke ist nicht neu,
    aber er sollte vielleicht,
    der Arbeitsplätze wegen,
    nicht vergessen werden.

    Wo sonst kriegt man noch Nachts um
    Drei, noch’n vollen Akku und ’n Bier.

  5. Uwe Johann Pflügl sagt:

    1,5 kWh pro Liter Benzin ist völliger Schwachsinn.Ich weiß nicht wo dieser Unfug herkommt,er wird aber überall nachgebetet.Natürlich wird bei der Herstellung auch Strom benötigt aber nur für Pumpen und Kompressoren,das wars.

  6. Mike Black sagt:

    Vom Umweltbundesamt Österreich gibts ein PDF aus dem Jahr 2004 für die OMV:

    389.945 MWh/a für elektrische Energie verbraucht und 8,5 Millionen Tonnen/a Treibstoff erzeugt, Davon ca. 3 Mio Tonnen Diesel und 2 Mio Tonnen Benzin.

    Das sind – ich hoff ich hab mich nicht verrechnet – ca. 35 Wh/Liter.
    Nicht mitgerechnet habe ich Förderung, Lagerung, Pumpen, Transport usw. aber das wäre auch nicht ganz fair, weil der Strom hierfür im Ausland benötigt wird und somit für die österreichische Bilanz nicht relevant ist. Die Zahlen sollten für Deutschland ähnlich sein.

    Ich bin selbst überrascht und hätte mehr erwartet.

  7. Hallo herr heynkes, ich ihrer initiative beigetreten, koennen sie mir sagen, wer der hersteller der kleinen maeuse, dem oben abgebildeten fahrzeug ist? Herzlichen dank dafuer

    • Jörg Heynkes sagt:

      Hallo liebe Frau Lerner
      Das ist der Twizy von Renault!
      Gibt es seit 2012
      Tolles E-mobil
      2 Sitzer
      80 kmh schnell
      75 km Reichweite
      Sexy!
      🙂

  8. H.-D. Honslmann sagt:

    Hallo Herr Heynckes,
    ich wäre auch ein Fan von Elektroautos. Wo aber werden die vielen elektrische betriebenen Fahrzeuge den Strom tanken. Ich denke da eine ganz normale Mehrfamilienhausstraße in Berlin. Der Straßenrand ist mit Autos auf beiden Seiten zugeparkt. Nehmen wir an, eine Parklücke ist 5m lang und an jeder Stromtanksäule tanken zwei Autos. Dann benötigt man schon 10 Stromtankstellen auf 100m Straße. Unsere Städte wären dann also voller Stromtankstellen, oder? Was ist denn an dieser Aussage falsch? Außer, dass wir vielleicht deutlich weniger Fahrzeuge benötigen, weil Carsharing von selbstpilotierenden PKW im Vordergrund steht. Treiben wir nicht auf eine Welt mit weniger PKW und deutlich besserem und individuellerem ÖPNV zu?

  9. Rainer Schiessle sagt:

    Hallo Herr Heynkes,
    habe gerade Ihren Vortrag „Die große digitale Transformation“ angesehen. Ich bin sehr von Ihrer Darstellung begeistert, da ich im Bereich der Automobilzulieferbranche tätig bin und wir uns auch über die Auswirkungen der Megatrends sehr intensive Gedanken machen.

    Mir stellen sich allerdings 2 Haupt – Fragen:
    Um wie viele km erhöhen sich die Laufleistungen der in der Schwarmmobilität eingesetzten Fahrzeuge gegenüber dem Individualverkehr (insbesondere in ländlichen Gegenden) ?

    Wie groß sehen sie die Wahrscheinlichkeit an, dass wir doch noch die weiter oben beschriebenen Wechselakkus bekommen werden ? Denn das Verhältnis zwischen Lade- und Fahrzeit ist beim eingebauten Akku für mich noch ein großer Hinderungsgrund ein rein elektrisch betriebenes Fahrzeug mir anzuschaffen (fahre aktuell einen Voll Hybrid).

    • Jörg Heynkes sagt:

      Herzlichen Dank lieber Her Schiessle

      – Ich würde davon ausgehen, das die zukünftigen Schwarmfahrzeuge eine durchschnittliche „Lebenslaufleistung“ von ca. 300.000 – 500.000 km erreichen werden.
      Wobei man davon ausgehen kann, das diese Modular sein werden. Das heißt, das „Skateboard“ mit dem Akku, Motor, Antrieb, etc. wird eher seinen Lebenszyklus erreichen als der „Raum auf Rädern“, der bei weitem nicht so stark beansprucht wird.

      Der große Teil der Schwarmmobile wird lediglich kleine Akkus mit einer Reichweite von ca. 150 km haben. Mehr ist eigentlich nicht nötig, weil die Mobile ja jederzeit im Wechsel in die Depots zum Laden fahren können und diese Ladevorgänge nur wenige Minuten brauchen. Lediglich die Fahrzeuge für Überlandfahrten benötigen Reichweiten bis zu ca. 500 km. Wer weiter fahren will, der wird unterwegs umsteigen in ein neues Fahrzeug. Wecheselakkusysteme wären heute total hilfreich. Um das möglich zu machen, hätte es aber eine Standardisierung gebraucht. Dafür aber bräuchte man eine europaweite koordinierende Politik die einen Wechsel hin zur Elektromobilität wirklich gewollt hätte. Das hat die Bundesregierung aber stets verhindert.

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